Mittwoch, 27 März 2019 19:51 geschrieben von 
DIE GEHFUSSBALLER DES SV FLECKEBY: JEDEN FREITAG WIRD AUF DEM HOF LOUISENLUND TRAINIERT. MESSERSCHMIDT

„Früher, der Günter Netzer, was die für’n Scheiß gespielt haben. Die haben doch Standfußball gespielt“ – ein Satz aus Rudi Völlers legendärer Wutrede nach dem Grottenkick gegen Island im September 2003. Doch gegenüber dem Standfußball aus den 1970ern waren die Hobby-Kicker am Freitagabend ganz schön flink auf den Beinen – und das beim Gehfußball. Von vielen vielleicht belächelt, sorgte die Sportart schnell für durchgeschwitzte Trikots.

Mehr als zufrieden war Torsten Mohr, Jugendobmann beim SV Fleckeby und Koordinator des Gehfußballs, der als neue Sparte auch ältere Menschen sportlich aktiv halten, aber natürlich auch für einen Mitgliederaufschwung im Verein sorgen soll. 15 Teilnehmer waren beim ersten Termin dabei, „und wir hatten noch einige Absagen für den Tag“, sagte Mohr, so dass beim nächsten Mal vermutlich noch der eine oder andere Fußballbegeisterte dazu kommen wird.

„Nur gehen“ heißt die wichtigste Regel beim Gehfußball, beide Beine dürfen nie gleichzeitig in der Luft sein. Und wenn doch, dann gibt es Freistoß für den Gegner. Außerdem: Torhüter gibt es nicht, Abseits auch nicht. Der Ball muss flach gehalten werden, Grätschen oder Tacklings sind tabu. Wer also trotz fortgeschrittenen Alters oder körperlicher Einschränkungen es mit dem Fußball nicht lassen kann, der ist hier genau richtig. In England und den Niederlanden wird schon in Ligen gespielt.

„Im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind wir die ersten, die Gehfußball anbieten“, betont Mohr. Das bestätigt auch Robert Lohmann. Der Barkelsbyer ist Vorsitzender des Kreisfußballverbands und war Teilnehmer einer 20-köpfigen Studie der Kieler Universität. „Wir wurden vorher alle vermessen und auch nachher“, berichtete der 56-Jährige. Alle seien nach den zehn Trainingseinheiten fitter geworden, so das Ergebnis der Leistungsdiagnostik. Anschließend stand ein Turnier gegen Mannschaften, die schon länger Gehfußball im Programm haben, an, Teams wie Werber Bremen. „Die waren alle Ü60, trotzdem gab das Niederlagen für uns“. Eine gute Technik sei gefragt, betonte Lohmann, mit „Hacke, Spitze, eins zwei, drei“ kommt man zum Erfolg.

Jana Mohr war die jüngste beim Gehfußball in Fleckeby. Die 25-Jährige hat lange Fußball gespielt beim SV Fleckeby, aber aufgrund von Hüft- und Rückenschmerzen musste sie kürzer treten. Beim Gehfußall wolle sie endlich wieder mit anderen gegen den Ball treten. Knieprobleme schränken auch Peter Jänkes (58) sportliche Aktivitäten ein, „ein bisschen Bewegung mit dem Hund“, erzählt er. Mit Gehfußball soll das anders werden.

„Ich kann ja noch mithalten“, sagte Hans-Jürgen Bartelsen nicht ohne Stolz. Der Fleckebyer war mit 77 Jahren der älteste beim Training und begeistert, dass er die jüngeren Spieler austricksen und dann einnetzen konnte. Denn auch beim Geh-Fußball heißt es: „Das Runde muss in das Eckige“.

Trainiert wird freitags ab 19.15 Uhr in der kleinen Halle auf dem Hof Louisenlund.

Quelle: www.shz.de, Eckernförder Zeitung vom 26.03.2019, Achim Messerschmidt

Letzte Änderung am Donnerstag, 28 März 2019 07:33
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