Donnerstag, 08 November 2018 21:09 geschrieben von 

Um Familien den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen, plant die Gemeinde Fleckeby, ein Baugebiet zu erschließen. Etwa 40 Rückmeldungen hatte Bürgermeister Rainer Röhl auf die Online-Interessenbekundungen erhalten, in denen vor allem der Wunsch nach Bauland für Einfamilienhäuser geäußert wurde. Wie sich Gemeinde und Bürger die bauliche Entwicklung der Schlei-Gemeinde vorstellen, wurde am Dienstagabend auf einer Einwohnerversammlung im „Kiek In“ besprochen, teils sehr kontrovers. Das Interesse an der Veranstaltung war riesig – rund 120 Besucher wollten sich über die Pläne der Gemeinde informieren. Doch konkret wurde es nicht. Wann wird gebaut? Wo wird gebaut? Diese Fragen blieben vorerst unbeantwortet.

Dass die Ausweisung eines neues Baugebietes kein Selbstgänger sein wird, das machte Norbert Jordan, Leiter des Bauamtes im Amt Schlei-Ostsee, den Besuchern deutlich. Die Auflagen und Hürden, die die Landesplanung den Kommunen vorgibt, seien vielfach hoch. Bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für das Baugebiet müsse die Gemeinde eine Innenentwicklungsanalyse auf den Weg bringen, mit dem Ziel, zuerst innerorts Baulücken zu schließen und der innerörtlichen Entwicklung Vorrang vor der außerörtlichen zu geben. „Das ist auch in Fleckeby geschehen“, berichtete Jordan. Mehrere Flächen in beiden Ortsteilen seien von einem Fachbüro bewertet worden. Bei vielen stünden hohe Schutzgüter, beispielsweise der Landschaftsschutz oder Naturschutz einer Bebauung entgegen. Die Fläche mit dem geringsten Konfliktpotenzial liegt östlich der Krogkoppel, also im Anschluss an das jüngste Baugebiet in Götheby. Im Fleckebyer Ortskern befänden sich lediglich drei, vier Bauplätze, die aber den Bedarf nicht decken würden, ergänzte Bürgermeister Röhl.

Was eine künftige Bebauung betrifft, so Jordan, müsse die Gemeinde sich nicht nur über den Standort Gedanken machen, sondern auch über die Zielgruppe. Für junge Familien, die meist mobil seien, sei Götheby attraktiv. Bauplätze, für ältere Bürger sollten eher im Dorfkern mit der vorhandenen Infrastruktur entstehen. Und genau da sieht auch Hans-Jürgen Bartelsen die Zukunft der baulichen Entwicklung. Eine weitere Bebauung in Götheby in Richtung Hummelfeld würde die Zersiedelung der Gemeinde vorantreiben. Er favorisiert eine Fläche südlich der Tennishalle. Ein Wohngebiet dort würde die Einheit des Dorfes fördern, ist Bartelsen überzeugt. Die von Fachbehörden eingebrachten Baueinschränkungen sähe er nicht als unüberwindbar. Zudem sei die Fläche bereits Gemeindeland, ein Grundstückskauf sei nicht erforderlich. Dass es Konflikte mit dem Sportverein geben könnte, der in unmittelbarer Nähe seine Tennisplätze und Sportanlagen hat, sieht Bartelsen durchaus. Angesichts des Rückgangs der Mitgliederzahl sollte auch der Rückbau von zwei Tennisplätzen kein Tabu sein. Wenn man den Wunsch habe, dass Fleckeby und Götheby zusammenwachsen, dürfe es keine weitere Bebauung in Götheby geben. Weitergehend war sogar ein Vorschlag aus der Versammlung, das Sportzentrum auszulagern und zu überplanen, um einer Bebauung Platz zu machen.

Als langjähriger Sportvereinsvorsitzender ergriff Gunnar Bock das Wort. Er appellierte an die Gemeinde, die Fläche am Sportzentrum nicht anzufassen. Wohnbebauung und Sportzentrum könnten nebeneinander nicht existieren. Er nannte Beispiele aus anderen Gemeinden, wo ein Wohngebiet dazu geführt habe, dass der Tennisbetrieb eingeschränkt oder sogar ganz eingestellt werden musste. „Das Sportzentrum zwischen beiden Ortsteilen ist ein verbindendes Element“, betonte Bock, viel mehr, als es ein Wohngebiet sein könnte.

Applaus gab es aber auch für Friedrich Nissen, der die Ausweisung eines Neubaugebietes ablehnt. Er rechnet damit, dass in den nächsten Jahren viele ältere Bürger ihre Häuser im Ort verlassen werden. Nissen wies auf den Hykamp hin, wo mittlerweile viele junge Familien nachgerückt seien. Peter Barnert ermunterte die Gemeinde, auch über alternative Wohnformen nachzudenken, wie ein Mehrgenerationenhaus.

Rund sechs Hektar misst Fläche am Möhlhorster Weg. Sollte sich die Gemeinde dafür entscheiden, werde es eine bedarfsgerechte Bebauung in mehreren Abschnitten über mehrere Jahre geben, versicherte Rainer Röhl. Sorgen hatten Bürger, dass sich die Verkehrssituation vor allem an der Kreisstraße verschärfe, sollte die Entwicklung in Götheby weitergehen. Für Kinder gebe es keinen sicheren Schulweg, das müsse bei der weiteren Planung bedacht werden.

„Die Gemeinde hat einen klaren Auftrag“, so Bürgermeister Röhl gegenüber unserer Zeitung. Der Bedarf nach Wohnraum sei da. „Es geht jetzt nicht mehr darum, ob gebaut wird, sondern wann.“

Quelle: www.shz.de, Eckernförder Zeitung vom 08.11.2018, Achim Messerschmidt

Letzte Änderung am Donnerstag, 08 November 2018 06:12
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1 Kommentar

  • Kommentar-Link Nielsen Mittwoch, 21 November 2018 15:04 gepostet von Nielsen

    Bürgermeister Röhl hat das Aufstellen einer Tafel mit Bekanntmachungen und wichtigen Terminen an der Ecke Möhlhorster/Krogkoppel als eine gute Idee eingestuft.

    Wenn dies nicht möglich Flugblätter mit oben genanntem Inhalt wäre aber auch wünschenswert.

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