Schlei-Plastik: Ufer weitgehend sauber

Mittwoch, 11 Juli 2018 18:16 geschrieben von 
SCHILFGÜRTEL AN DER SCHLEI: DIE IDYLLE TÄUSCHT. DAS 42 KILOMETER LANGE GEWÄSSER GILT ALS BELASTET. VOR ALLEM EINTRÄGE AUS DER LANDWIRTSCHAFT SETZEN DEM ÖKOSYSTEM ZU. SCHILFGÜRTEL AN DER SCHLEI: DIE IDYLLE TÄUSCHT. DAS 42 KILOMETER LANGE GEWÄSSER GILT ALS BELASTET. VOR ALLEM EINTRÄGE AUS DER LANDWIRTSCHAFT SETZEN DEM ÖKOSYSTEM ZU. STAUDT


Großflächige Verschmutzungen laut Kreisverwaltung beseitigt.

Nach der Vermüllung der Schlei durch Plastikteile können die Behörden zwar noch keine Entwarnung geben, registrieren aber zumindest eine Besserung. Laut Kreisverwaltungsdirektor Dr. Martin Kruse melden Bürger derzeit nur noch einzelne „Hot Spots“, an denen sich Plastik gesammelt hat. Auf großflächige Verschmutzungen am Ufer gibt es aktuell keine Hinweise mehr. Kruse schränkt ein, dass sich das im Zuge der Herbststürme ändern kann, wenn das Wasser in Bewegung gerät und die auf Grund gesunkenen Plastikteile aufgewirbelt werden.

Die Schlei von Schleswig bis Schleimünde ist 42 Kilometer lang. Der Uferstreifen weist eine Gesamtlänge von zirka 100 Kilometern auf, davon fallen 40 Kilometer in die Zuständigkeit des Kreises Rendsburg-Eckernförde und seiner Unteren Wasserbehörde. Die Schlei ist aus Sicht der Kreisverwaltung bereits seit Jahren ein Sorgenkind. Michael Wittl, Leiter der Wasserbehörde, verweist auf die Nährstoffe, die von der Landwirtschaft eingeleitet werden und durch die das Gewässer überdüngt wird. Durch die Plastik-Vermüllung hat sich die Gewässerqualität weiter verschlechtert.

Aber im Gegensatz zur Schlei-Überdüngung durch die Landwirtschaft gibt es in Sachen Plastik jemanden, „den man zur Verantwortung ziehen kann“, sagt der Chef der Schleswiger Stadtwerke, Wolfgang Schoofs. Und das sind die Stadtwerke und ihr Klärwerk selbst: „Wir stellen uns dieser Verantwortung.“ Der Geschäftsführer betont, dass er die juristische Schuld bei Refood sieht (siehe Kasten rechts unten). Ungeachtet dessen habe man sich von Anfang an in der Pflicht gesehen, den Plastikmüll einzusammeln. Zu den Zahlen: In den Jahren 2017 und 2018 seien etwa neun Tonnen Plastikmüll von Refood angeliefert worden. Ein großer Teil blieb laut Schoofs in den Reinigungsstufen der Kläranlage oder im Klärschlamm hängen, aber zwei bis drei Tonnen seien in die Schlei gelangt. Schoofs: „Ich will das Problem nicht kleinreden: Vom Volumen her ist das eine ganze Menge.“

Die Rendsburger Kreisverwaltung lobt, wie alle Beteiligten an der Schlei mit der Situation umgehen. Dr. Kruse lobt seine Schleswiger Kollegen: Der Kreis Schleswig-Flensburg, vom Land mit der Federführung bei der Aufarbeitung und Begleitung des Falls betraut, leiste professionelle Arbeit, ebenso die Schleswiger Stadtwerke selbst. Man habe die Erfahrung gemacht, dass jedem Hinweis von Bürgern umgehend nachgegangen wird. Ein Beispiel: Fällt einem Bürger auf, dass sich in einem bestimmten Strandabschnitt Plastik angesammelt hat, geht eine Meldung an den Kreis Schleswig-Flensburg und von dort an die Stadtwerke. Schoofs: „Meist noch am gleichen Tag rücken wir aus, um die Stelle zu reinigen.“ Dr. Kruse bestätigt: „Die Bürger sehen, dass etwas passiert.“

Die Stadtwerke haben bisher insgesamt 550 Tonnen Unrat direkt aus der Schlei gefischt und am Ufer eingesammelt. Den größten Anteil daran hat organisches Material wie Algen und Seegras. Es finden sich aber auch Fender und Gartenstühle darin. Insgesamt geht es der Schlei in Sachen Plastik etwas besser. Dr. Kruse sagt: „Das Problem wird kleiner.“

Quelle: www.shz.de, Eckernförder Zeitung vom 11.07.2018, Dirk Jennert


Plastik in der Schlei – die Hintergründe

Plastikteile wurden vom Klärwerk der Schleswiger Stadtwerke in die Schlei eingeleitet. Die Plastikschnipsel stammen von dem Speiseresteverwerter Refood. Dieser belieferte das Klärwerk mit sogenannten Gärsubstraten. Darin enthalten waren geschredderte Reste von Lebensmittelverpackungen. Die Gärsubstrate und die Fremdstoffe wurden dem Faulschlamm im Klärwerk beigemischt, um Energie zu gewinnen. Ein Teil der Plastikteilchen allerdings blieb nicht in den Reinigungsstufen hängen. Das blieb monatelang unentdeckt – bis zum Januar dieses Jahres. Die Stadtwerke sehen die Schuld bei Refood. Die Firma hätte aus ihrer Sicht keine mit Plastik belasteten Substrate anliefern dürfen und werfen Refood vor, falsche Lieferscheine ausgestellt zu haben. Refood wiederum steht auf dem Standpunkt, dass die Stadtwerke das Plastik hätten herausfiltern müssen. Darüber gibt es einen Rechtstreit.

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 Juli 2018 06:22
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