Damit die Schlei wieder aufatmet

Montag, 11 Juni 2018 21:27 geschrieben von 

 

Rund 120 Besucher beim Schlei-Forum in Louisenlund / Fachvorträge und Workshops zur Nährstoffreduzierung in der Schlei

Viele Muscheln - und Schneckenarten sowie Pflanzenwälder bis in zwei Meter Wassertiefe – die Schlei, ein vegetationsreiches Gewässer. So wird es zumindest in den Aufzeichnungen und Kartierungen Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben. Im Laufe der Jahre breitete sich der Faulschlamm aus, die Blaualgen blühten und die vielfältige Fauna der rund 42 Kilometer langen Schlei verschwand mehr und mehr. Um die Ursachenforschung und auch Lösungen, die Wasserqualität der Schlei wieder in den Griff zu bekommen, ging es gestern auf dem ersten Schlei-Forum in der Kunst- und Kulturhalle Louisenlund. Moderiert wurde der Tag mit Fachvorträgen und Workshops von Jørgen Møllekær, Chefredakteur von Flensborg Avis .

Baden in der Schlei habe eine große Tradition, eröffnete Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen das Forum vor gut 120 Gästen. Die Wasserqualität sei durchschnittlich, um damit aber die Attraktivität gerade für Urlauber zu steigern, müsse diese einwandfrei werden, betonte er. Dr. Wolfgang Buschmann, Landrat in Schleswig-Flensburg, wies darauf hin, dass es sinnvoll sei, so wie auf dem Forum, das Thema Schlei aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, mit einem gemeinsamen Fokus, der Schlei.

Wie sich die Schlei in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat, erläuterte Dr. Svend Duggen von der A.P. Møller Skolen in Schleswig.Eine dichte Muschelfauna habe es mal gegeben, reichlich Leben auf dem Boden der Schlei sowie Laichkräuter und Blasentang, wie man ihn sonst nur aus der Ostsee kennt. In den 1930er Jahren begann sich der Faulschlamm auszubreiten, das Bodenleben erstickte aufgrund des erhöhtes Nährstoffeintrages. Mitte des 20. Jahrhunderts sei die Unterwasservegetation nahezu ganz verloren gegangen, berichtete der Geowissenschaftler. 60 bis 70 Prozent der Schlei seien im weiteren Verlauf mit Faulschlamm bedeckt gewesen. Zur Jahrtausendwende konnten die Fachleute aber eine Verbesserung des Zustandes feststellen. So wurden zuvor die Kläranlagen der Region modernisiert und die Zuckerfabrik als Einleiter in die Schlei geschlossen. Duggen selbst habe in den letzten Jahren wieder Muscheln und Seepocken entdecken können, auch viele Rippenquallen seien von Fischern gemeldet worden. Der Faulschlamm sei aber weiterhin ein gravierendes Problem. So werde beim Abbau von Sauerstoff Schwefelwasserstoff gebildet und dabei Phosphate freigesetzt. Steigt Phosphat bei Bodenverwirbelungen auf, wird es von Blaualgen aufgenommen und es bilden sich weitere Phosphate. „Die Schlei wird intern aufgedüngt“, sagte Duggen. Vor allem im Sommer entstehe ein schwerer Sauerstoffschwund in der Schlei.

„Es muss gehandelt werden“, fordert Dr. Michael Trepel vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND). Zwar seien die Nitrat- und Stickstoffwerte rückläufig, doch noch immer weit über den Werten, die laut Wasserrahmenrichtlinie der EU erreicht werden sollen. Um 60 bis 75 Prozent müssten die Einträge reduziert werden. Trepel baut darauf, dass angesichts eines großes Einzugsgebietes von knapp 670 Quadratkilometern eine Einhaltung der neuen Düngeverordnung sich spürbar auf den Zustand des Gewässers auswirke. Konkret ginge es in der Landwirtschaft um eine Düngeplanung, die Einhaltung von Sperrzeiten und der Gewässerabstände sowie die Reduzierung der Düngermenge. Positiv werde von den Landwirten die Düngeberatung des Ministerium angenommen, berichtete er.

Die neuesten flächendeckenden Untersuchungen vom Schleigrund konnte Dr. Klaus Schwarzer von der Uni Kiel präsentieren. Zwei Monate lang haben er und sein Team im letzten Jahr eine Fläche von rund 30 Quadratkilometern der Schlei mit zwei Forschungsschiffen und einem Seitensichtsonar vermessen und dabei Faulschlammschichten von 20 bis 40 Zentimeter Dicke ermittelt. Vergleicht man diese aktuellsten Messungen mit vorliegenden Zahlen von vor rund 30 Jahren, so seien die Schlammmassen weniger geworden.

Bereits eine Stunde vor der Eröffnung und während des ganzen Tages stellten Vereine und Institutionen rund um das Thema Schlei und Umwelt im Messeraum aus. Darunter auch das Schleiformationszentrum (SIEZ). Eine Absaugung des Faulschlamms wird hier als Lösung ins Spiel gebracht. „Faulschlamm ist auch Rohstoff“, wies Vereinsmitglied Dieter Beyer darauf hin, dass der Schlamm zur Energiegewinnung als Brennstoff genutzt werden könne. Vorsitzender Karl Walther könne sich vorstellen, den Faulschlamm gemeinsam mit Klärschlamm zu verbrennen. Er setzt auch auf die starke Kraft der Natur und dass sich die Schlei regenerieren kann. „Wir konnten beobachten, dass Sandschichten, die sich auf dem Faulschlamm bildeten, schnell wieder besiedelten wurden.

Quelle: www.shz.de, Eckernförder Zeitung vom 09.06.2018, Ove Jensen

Letzte Änderung am Montag, 24 September 2018 06:28
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