Zwillingsglück und „Mini-Trumps“

Donnerstag, 09 November 2017 20:26 geschrieben von 
LISA MORITZEN UND MANFRED RADTKE MÄKELTEN ÜBER EINIGES IN IHREN DORF. LISA MORITZEN UND MANFRED RADTKE MÄKELTEN ÜBER EINIGES IN IHREN DORF. TÜXEN

Fünfter plattdeutscher Kulturabend in Fleckeby / Rund 70 Gäste im „Kiek In“ hören Lieder und Geschichten

Zur inzwischen jährlich stattfindenden 5. plattdeutschen Veranstaltung lud die Kulturinitiative Fleckeby „Kultur Fleck“ zu „Een plattdüütschen Avend“ in den Sportlertreff „Kiek in“ ein. Erneut hatte sich das halbe Dorf auf die Beine gemacht, um im voll besetzten Kulturzentrum einen von Humor geprägten Abend zu genießen. „Ik freu mi, dat wedder so veel kamen sünd“, begrüßten Initiator „Fiete“ Nissen und der Kulturausschuss-Vorsitzende, Dr. Rolf Wenzel, die rund 70 Gäste.

Zum Auftakt stellte Annegret Meeves eine Frage mit dem Gedicht „Wat is Heimat?“ Nach einer Aufzählung aller vertrauten Dinge, die ihr Leben begleitet haben, kam sie zu dem Schluss: „Heimat is, op uns’e Wutteln uns to besinnen, Heimat is, ik segg di dat - vun allens wat!“

Es folgte Martin Hansen, Pastor im Ruhestand in Drelsdorf bei Husum. Er hatte viel zu erzählen aus seiner Amtszeit als Pastor, so auch, als er bei einer „Kinddööp in der Drelsdörper Kark“ im Winter in arge Bredouille geriet. Die Taufschüssel war ohne Wasser, so dass der Kirchendiener aufgefordert wurde, Abhilfe zu schaffen. Er verschwand mit der Schüssel und - kam vorerst nicht wieder. Zur Überbrückung der Wartezeit ordnete der Pastor ein Lied mit zwölf Strophen an, welches gar nicht vorgesehen war. Gerade, als die zwölfte Strophe zu Ende war, erschien der Diener; er hatte bis zum Wirtshaus laufen müssen, um warmes Wasser zu bekommen. Bei einer Trauerfeier machte dem Pastor eine kleine Maus zu schaffen, die sich zunächst unterm Sarg und zwischen den Blumen und Kränzen aufhielt. Nun befürchtete der Gottesdiener, dass die Maus auch unter die Sitzbänke läuft und er stellte sich vor, wie die Frauen aufspringen und kreischen würden - es ging aber nochmal gut.

Marlene Tenter-Jacobsen, „een Meierie-Deern ut Fleckby“, schilderte ein Klassentreffen einer inzwischen 90-Jährigen. Als sie gefragt wurde: „Sünd in dat Öller denn noch veel dorbi?“, antwortete sie: „Nee, de letzten Johren weer ik jümmers alleen.“

Irma Hansen, Theater-Schauspielerin der Norddeutschen Bühne Schleswig, gab mit „Uns Oma is in Eckernför“ und „Arfensupp bi Karstadt“ zwei Gedichte zum Besten, ehe der Männer-Gesangsverein Eintracht Fleckeby von 1884 unter der Leitung von Tobias Lehmann mit „Mien Jehann“, „Wo de Noordseewellen“, „Hamborger Veermaster“ und „Dat du mien leefsten büst“ unter der Begleitung von Detlef Sierts mit seiner Handharmonika das Publikum in Begeisterung versetzte.

Mit „Wiensupp un Schink“ und „Lorenz Schoster, de Orgelspeler“ setzte Martin Hansen zwei weitere spaßige Geschichten hinzu. Annegret Meeves stellte die „Ökelnamen“ der Umgebung vor. „Ökelnamens leevt länger as dee, dee se tohören doot!“ Sie erzählte von „Franz Tuut, de Kolonialwarenhändler“, „Anna Knapp“, „Hein Pump“, „Peter Ei“, „Hein Eek“ sowie von einem Erlebnis mit „Tüüchpahl“, der bei der Meldung, seine Nachbarin hätte Zwillinge bekommen, erstaunt anmerkte: „Wat denn, twee Stück? Ik weer doch aver blots eenmal bi ehr!“

Lisa Moritzen und Manfred Radtke ärgerten sich in einem Sketch über einige Unzulänglichkeiten wie Hundekot und Zigarettenkippen in ihrem Dorf und stellten ferner fest, dass es auch hier einige „Mini-Trumps“ gibt. Letztlich sagten sie aber: „Wi leevt liekers geern in Fleckby, ok wenn dor Hunnenschiet un Kippen rümliggen doot!“ und stellten aber fest: „Wi warrn to fröh oolt - un to laat klook!“

In ihren Schlussworten dankte Bürgermeisterin Ursula Schwarzer dem „Kultur-Fleck“, aber auch dem Sketch-Duo dafür, dass es der Bürgermeisterin und der Gemeindevertretung die Leviten gelesen hat. „Erfreulich war herauszuhören, dass es sich hier bei uns gut leben lässt“.

Quelle: www.shz.de, Eckernförder Zeitung vom 07.11.2017, Klaus-Dieter Tüxen

Letzte Änderung am Donnerstag, 09 November 2017 06:35
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