Großes Glück im kleinen Haus

Donnerstag, 28 September 2017 21:42 geschrieben von 
MOBIL: TINY-HÄUSER LASSEN SICH AUF DEM ANHÄNGER VON STANDORT ZU STANDORT TRANSPORTIEREN. MOBIL: TINY-HÄUSER LASSEN SICH AUF DEM ANHÄNGER VON STANDORT ZU STANDORT TRANSPORTIEREN. JEAN-PIERRE JACOBI


Karin Glaser stellte in Fleckeby rund 70 Besuchern die Tiny-House-Bewegung vor / Referentin wünscht sich Siedlung in Fleckeby

Tinyby in Fleckeby? Diese Frage stellte Karin Glaser am Montagabend im Gemeindehaus in Fleckeby und gut 70 interessierte Bürger aus der Umgebung wollten sich über die „Mini-Haus-Bewegung“ informieren.

Die 70 Jahre alte Glaser lebte selbst lange Zeit an der Schlei zur Miete und wollte dann etwas verändern. Sie packte nur das Nötigste ihrer Sachen, um in einen Zirkuswagen in die Nähe von Berlin zu ziehen. Nun möchte sie zurück, aber nicht wieder in eine Mietwohnung. „Ich habe in meinem Leben schon Einiges mehr ausprobiert: Wohnwagen, Bauwagen und bin nun zu dem Entschluss gekommen, dass ein Tiny House hier in Fleckeby genau das Richtige für mich ist“, erzählte die Diplom-Pädagogin den Zuhörern freudestrahlend.

Christine Schlüter und Sylvia Wösthoff kamen aus Eckernförde, um mehr zu erfahren über diese Bewegung der mobilen kleinen Häuser, die aus Amerika nach Europa gekommen ist. „Ich habe schon jetzt festgestellt, dass man mit weniger Materiellem sehr viel glücklicher sein kann, und möchte mich über die kleinen Häuser genauer informieren. Vielleicht ist das ja etwas für mich“, sagte Schlüter.

Glaser hatte Filmmaterial und Fotos im Gepäck, die den Anwesenden eine Vorstellung davon geben sollten, wie ein Leben auf kleinstem Raum funktionieren kann. An ihrer Seite war an diesem Abend Jean-Pierre Jacobi. Seit zwei Jahren baut er auch Tiny Houses. „Ich halte minimalistischen ortsungebundenen Wohnraum für eine gute Alternative zur Massivbauweise“, sagte er und erläuterte die Vorteile. Es müsse kein Fundament gegossen werden, preislich sei ein 40-Quadratmeter-Haus ab 40 000 Euro zu haben. Flexibilität und Unabhängigkeit sind gewährleistet, denn es ist transportabel. Schwerer als 3,5 Tonnen dürfe so ein Winzig-Haus dann auch nicht sein. Machbar, bestätigte Jacobi und betont aber, dass selbst auf dem eigenen Grundstück nur mit Baugenehmigung ein solches Haus bewohnt werden dürfe. Eine Werkstatt zur Fertigung der Prototypen befindet sich in Kappeln.

Glaser selbst möchte dort über den Winter ihr individuelles Tiny House herstellen lassen und es dann im kommenden Jahr auch für Besichtigungen öffnen. Sie ist überzeugt von dieser neuen Art zu wohnen. Ein ganz normales Haus mit 1,5 Stockwerken, Küche, Bad, Gastherme und Sicherungskasten, nur eben alles etwas kleiner, günstiger und mobil. „Grundsätzlich möchte ich irgendwann in so einem Haus ganz autark leben. Ich möchte dann meinen eigenen Strom erzeugen und ohne Abwasser und Frischwasserzugang auskommen“, sagte sie. Ressourcen schonen, Natur bewahren, das sind Themen, die sie bewegen. Und sie hat sogar noch größere Visionen: „Ich würde am liebsten in Fleckeby in einem Tinydorf mit 20 Häusern in einer Art Gemeinschaft leben“, lässt sie die Anwesenden wissen.

Das hörte auch Bürgermeisterin Ursula Schwarzer, die auf dem Treffen zu bedenken gab, dass aktuell in Fleckeby kein Baugebiet ausgewiesen ist, um so eine Siedlung zu realisieren.

Viele Anwesende waren sich sicher, dass Tiny Houses ein Zukunftsmodell sind. Jacobi bestätigt, dass es mitten in Berlin bereits eine Siedlung mit 13 Tinyhäusern gebe. Er geht davon aus, dass der Trend sich fortsetzen wird. „ Es ist gut, wenn man sich reduziert. Man besitzt so viel Blödsinn. Ressourcen werden verbraucht und wandern ungenutzt in den Müll“, sagte auch Hans-Joachim Karnatz aus Osterby. Er lebe seit geraumer Zeit allein in einer Doppelhaushälfte, die ihm viel zu groß sei. Glaser ist mit dem Verlauf der ersten Informationsveranstaltung mehr als zufrieden. Weitere Veranstaltungen werden folgen, versprach sie und hat dabei ihre Version von der Tiny-House-Siedlung immer vor Augen.

 

Quelle: www.shz.de, Eckernförder Zeitung vom 27.09.2017,Britta Bünger

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 28 September 2017 05:45
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit Stern * zu füllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.